ANDERE ÜBER UNS

Gutachten von Professor D. Adolf Köberle, München
Auszüge aus der Veröffentlichung der idea-Dokumentation Nr. 24/88 - im Oktober 1986

Die VEREINIGUNG CHRISTLICHER HEILPRAKTIKER ist in der letzten Zeit gerade von Seiten gläubiger Kreise mehrfach verdächtigt und angegriffen worden. Es drängt mich, die Beschuldigten in Schutz zu nehmen.
Der Heidelberger Hochschulprofessor Hans Schaefer weist in dem Buch "Plädoyer für eine neue Medizin" (München 1981) mit einer erfrischenden Ehrlichkeit auf mannigfache Missstände im heutigen Arztwesen hin. Er stellt fest: "Das Misstrauen gegen die Schulmedizin ist zweifellos im Wachsen begriffen. Die naturwissenschaftlich-technisch arbeitende Medizin ist ergänzungsbedürftig." Diese Feststellung aus dem Mund einer hochangesehenen wissenschaftlichen Autorität gibt der christlichen Gemeinde das Recht und die Pflicht, auch nach anderen Heilmethoden Ausschau zu halten. Neben einer verhältnismäßig kleinen Zahl von fachlich ausgebildeten Ärzten bekennt sich der Stand der Heilpraktiker geschlossen zu den Grundsätzen der Naturheilkunde. Ihr oberster Grundsatz lautet: vor allem bei einer Heilbehandlung keinen Schaden anrichten (Primum nil nocere). Es scheint überflüssig, darauf hinzuweisen, und doch ist eine diesbezügliche Warnung gelegentlich durchaus am Platz. Es gibt heute eine ganze Literatur, die auf "iatrogene Krankheiten" hinweist. Man versteht darunter Schädigungen, die in Krankenhäusern und Kliniken der Schulmedizin angerichtet werden durch Überdosierung hoch-wirksamer pharmazeutischer Präparate, durch allzu bereitwilliges, vorschnelles operatives Eingreifen und durch eine viel zu mangelhafte Berücksichtigung der so lebenswichtigen Ernährungsfragen.
Die Naturheilkunde weiß sehr wohl, dass sie in den hinter uns liegenden Jahrhunderten belastet war mit einem Wust von primitiven und abergläubischen Vorstellungen. Aber sie weiß auch, dass die Volksmedizin über eine Fülle von heilsamen Einsichten verfügt hat, die im Laufe der Zeit bedauerlicherweise in Vergessenheit und Verachtung geraten sind und die es wert sind, heute aufs Neue entdeckt und in Gebrauch genommen zu werden.
Über Homöopathie und Augendiagnose mag man streiten, ob sie sich wissenschaftlich behaupten können gegenüber den kritischen Einwänden der Schulmedizin. Aber dabei von satanischen Einflüssen und dämonischen Bindungen zu reden, ist völlig abwegig. So war zum Beispiel der segensreiche Lehmpastor Felke (1856-1926) berühmt als ein hervorragender Iris-Diagnostiker.
Ich bin immer wieder erstaunt und betrübt darüber, wie bedenkenlos sich gläubige Kreise einem materialistischen, kausal-mechanistischen Schulprinzip ausliefern, während man gleichzeitig Heilweisen und Heilmittel ablehnt, die einer ungleich größeren religiösen Ehrfurcht entstammen. Deswegen ist die Schulmedizin noch lange nicht pauschal abgelehnt. Jeder vernünftige Mensch und Christ weiß, wie viel wir ihrer hingebungsvollen Arbeit verdanken. Im übrigen ist ja erfreulicherweise festzustellen, dass sich seit einiger Zeit Schulmedizin und Naturheilkunde in der gegenseitigen Hochschätzung ein gutes Stück näher gekommen sind. Die in gläubigen Kreisen aufgetretene Abneigung gegen den Stand der Heilpraktiker wird zu einem Teil verständlich, wenn man weiß, dass sich in dieser Berufsgruppe auch Vertreter finden, die ihr naturheilkundliches Wissen bedenkenlos mit fragwürdigen okkulten und magischen Zauberhandlungen verbinden, was ohne Schaden der Seele nicht abgehen kann. Aber gerade gegen solche Entgleisungen hat sich ja jetzt eine VEREINIGUNG CHRISTLICHER HEILPRAKTIKER gebildet. Wer diesem Verband, der auf dem Boden der Evangelischen Allianz steht, beitritt, hat sich damit entschieden getrennt von allen fragwürdigen Praktiken. Meine Bitte geht dahin, unsere christlichen Heilpraktiker künftig in Ruhe zu lassen, statt sie mit grundlosen Vorwürfen bei ihrer Arbeit zu stören. Und mein Rat geht dahin, in Krankheitsfällen doch zuerst dort Beistand und Hilfe zu suchen, ehe man sich gezwungen sieht, bei Stahl und Strahl und bei der pharmazeutischen Großindustrie seine Zuflucht zu suchen.

Sehr gute Kontakte bestehen zu "Christen im Gesundheitswesen", Postfach 228, 21518 AUMÜHLE - bei Hamburg; Homepage: www.cig-online.de.